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Menschen und Stachelschweine - Ethik in Coronazeiten

„Sie sind uns mit Abstand am liebsten“ liest man in manchen Geschäften. Das Abstandsgebot der letzten Monate ist auch und vor allem für Jugendliche eine große Herausforderung. Der verordnete Abstand verändert gewohnte Verhaltensweisen, Beziehungen zu anderen Menschen, unsere Gefühlswelt. Unübersehbar hat sich auch Schule als Lebens- und Lernraum verändert.

Im Fach Ethik können wir aktuelle Themen mit philosophischen Fragestellungen verknüpfen, diskutieren und für den Prozess unserer Urteilsbildung nutzbar machen, also auch „Corona“.

Erstmals in diesem Schuljahr (2020/2021) haben die 6. Klassen Ethikunterricht bekommen. Zur Auseinandersetzung mit den Widrigkeiten unserer neuen „Normalität“ eignen sich mehrere Themenkreise des Bildungsplans besonders gut:

  • Ich und mein Leben
  • Ich und meine Freundschaften
  • Ich und die Anderen
  • Glückliches und gutes Leben
  • Regeln und Regelkonflikte
  • Natur und Umwelt

Welcher philosophische Text liegt da näher zum Einstieg als Arthur Schopenhauers Parabel „Die Stachelschweine“ aus dem Jahr 1851?

Die Schauspielerin und Autorin Nicola Schubert macht sich bei Deutschlandfunk Kultur Gedanken über die Bedeutung der Parabel für uns heute:

„Die aktuelle Menschenscheu hat nichts mit Enttäuschung oder Kritik zu tun (…). Durch die Entferntheit schützen wir uns gegenseitig. Doch sie befördert auch die Skepsis, mit der wir einander begegnen: Was Schopenhauer 'widerwärtige Eigenschaften' nennt, kann auch Krankheit sein. Was wir füreinander – heroisch gesprochen – im Namen der Gesundheit tun, das wirkt auch als ein Gegeneinander. Der 'Feind' ist dabei nicht der Mensch, wohl aber ein Virus, das er in sich tragen könnte und das nicht mehr trennbar von seinem 'Behälter' ist: Wirt und Virus sind eins. Somit wird jedes andere menschliche Wesen zur potenziellen Gefahr, von der sich fernzuhalten ist. Auch, um selbst nicht zur Gefahr für andere zu werden. Ein Kreislauf der gegenseitigen Verdächtigung, die meist ohne Böswilligkeit ist. Doch unsere Interaktion mit anderen ist so stark verändert, dass es schwer vorstellbar ist, dass unser Verhalten davon nicht länger anhaltend geprägt wird. Wie lange wird es dauern, sich diese gewisse Menschenscheu wieder abzugewöhnen?“ (https://www.deutschlandfunkkultur.de/corona-pandemie-macht-das-virus-uns-zu-menschenfeinden.1005.de.html?dram:article_id=487676 abgerufen am 7.1.2021)

Damit sind verschiedene Fragestellungen umrissen, die im Unterrichtsgespräch – auch über Video – gemeinsam überlegt werden können.

Die Klasse 6a hat sich im Fernunterricht intensiv mit der Parabel auseinandergesetzt, unter anderem   mit der Frage, was die Menschen dazu bringt zusammenzukommen und was sie auseinandertreibt.

Hier einige Gedanken der Schülerinnen und Schüler:

Und welche anderen Tiere würden sich für einen Vergleich mit dem Menschen eignen?

Eine Schülerin zählt Parallelen zwischen Affen und Menschen auf: „Affen leben auch in einer Gesellschaft mit mehreren Artgenossen; können Emotionen zeigen; helfen sich gegenseitig; können aber auch gemein zueinander sein; es gibt Stärkere und Schwächere, manche bestimmen und andere ordnen sich unter."
„Meerschweinchen“, schreibt eine andere Schülerin, „können nicht alleine sein, wollen aber gleichviel Futter. Und Eichhörnchen: Nachts halten sie sich im Kobel warm, aber tagsüber streiten sie um die Nüsse.“

hue