Das französisch-bilinguale mint-freundliche Karlsruher Gymnasium
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Mittwoch 23 Jul 2014
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Die angemessene elterliche Unterstützung der Kinder bei den Hausaufgaben

Immer wieder werden wir von Eltern befragt, in welchem Umgang die Kinder bei den schulischen Hausaufgaben unterstützt werden sollten. Mit der folgenden Zusammenfassung möchte ich die persönlichen Gespräche mit Eltern und Schülern unserer Schule ergänzen.

Ingeborg Kraus
(Schulleiterin)

Die Schule hat einen hohen Stellenwert im Leben unserer Kinder. Daher ist es meines Erachtens selbstverständlich, dass die Eltern an diesem Lebensbereich teilnehmen.
Die Frage ist nur in welchem Umfang und in welcher Form eine solche Teilnahme am schulischen Leben des Kindes sinnvoll ist.

Mit den folgenden Ausführungen sollen verschiedene Kategorien von Hausaufgaben und deren Zweck dargestellt werden. Den jeweiligen Kategorien werden außerdem Vorschläge für eine sinnvolle Hausaufgabenhilfe durch die Erwachsenen zugeordnet.

Doch zunächst einige grundsätzliche Bemerkungen:

Wenn möglich, sollte das Kind /der bzw. die Jugendliche seine/ihre Hausaufgaben selbst erledigen.
Hilfe durch die Erwachsenen kann nur „Hilfe zur Selbsthilfe“ sein. In Ergänzung zu den Anweisungen des Lehrers, der Lehrerin führen Eltern, Großeltern und andere erwachsene Kontaktpersonen die Heranwachsenden an die unterschiedlichsten Aspekte unserer verschiedenen Lebensumwelten heran. Es wäre geradezu unnatürlich, würde das Lernen auf die Schule beschränkt und Bildung nur von dafür zuständigen Lehrern/Lehrerinnen vermittelt. In keinem Falle sollte die Weitergabe neuer Inhalte, neuer Erfahrungen in Konkurrenz zwischen Schule und Eltern erfolgen. Daher verbietet sich eine direkte Kritik an den von Lehrern bzw. Eltern vermittelten Inhalten grundsätzlich.
Tauchen Widersprüche auf, so müssen diese zwischen den entsprechenden Erwachsenen besprochen und von demjenigen ausgeräumt werden, der die Lerninhalte vermittelt hat. Eine Fülle von Problemen entstehen für unsere Kinder durch unnötige Konkurrenzsituationen zwischen den Erwachsenen ( Lehrer - Eltern, Vater- Mutter, Eltern- Großeltern).

Im Folgenden werden einige Aspekte genannt, die das Kind unterstützen, ohne ihm seine Selbständigkeit zu nehmen:

  1. Eine bildungsfreundliche Atmosphäre kann dem Kind bei seiner schulischen Arbeit grundsätzlich helfen. Eine solche Atmosphäre kann durch die im Haushalt vorhandenen Bücher, Zeitungen, durch Ausstellungsbesuche, Museumsbesuche und themenbezogene Gespräche oder Diskussionen im familiären Kreis gegeben sein. Aber auch die positive Einstellung gegenüber Berufsgruppen, die sich mit verschiedenen Bildungsinhalten ( Wissenschaftler der verschiedenen Disziplinen, Autoren, Lehrer, Bibliothekare, ...) befassen, kann dem Kind den Wert von Bildung vermitteln.

     

  2. Das Gefühl, dass die erwachsenen Bezugspersonen Interesse an der schulischen Arbeit haben, wertet diese auf. So kann man sich beispielsweise erzählen lassen, welche Inhalte das Kind im Unterricht interessant fand. Dabei ist es wichtig, das Kind aussprechen zu lassen und eigene Ergänzungen erst nachträglich hinzuzufügen.

     

  3. Das Kind sollte nicht an den Leistungen anderer Personen ( Freunde, Verwandte, Nachbarskinder...) sondern an seinem eigenen Potential gemessen werden. Nur realistische Verbesserungsmöglichkeiten haben die Chance auf Verwirklichung, unrealistische Erwartungen demotivieren.

     

  4. Fortschritte sollten mit entsprechendem Lob begleitet werden. Oder anders ausgedrückt: “Lob verleiht Flügel“

     

  5. Das Kind benötigt einen Arbeitsplatz, an dem es sich wohl fühlt und ungestört arbeiten kann. Er sollte nach erledigter Arbeit ordentlich zurückgelassen werden. Muss das Kind Arbeitsmaterialien an Geschwister oder Eltern ausleihen, hat es keine Möglichkeit, Verantwortung für seine Dinge zu übernehmen.

     

  6. Wenn Fragen des Kindes nicht direkt beantwortet werden, sondern nur Lösungshinweise gegeben werden, hat das Kind die Chance, den Lernweg selbst zu gehen und das Ergebnis weitgehend alleine zu finden. Hilfreicher sind Hinweise, wo das Kind Antworten auf seine Fragen finden kann. So übt die Schülerin/der Schüler das Recherchieren in Nachschlagewerken, im Schulbuch oder im Internet. Wenn Sie helfen wollen, geben Sie Lösungsstrategien, keine konkreten Lösungen.

     

  7. Auswendig Gelerntes oder Vokabeln abzuhören, ist sicher eine sinnvolle Hilfe für das Kind.

     

  8. In der Hektik des Privat- und Arbeitslebens neigen die Erwachsenen manchmal dazu, ihrem Kind in vermeintlich guter Absicht die Mühen zu ersparen und an ihrer Stelle, die Aufgaben schnell selbst zu lösen. Das ist zwar aus der Situation heraus verständlich, aber weder für das Kind noch für die Lehrkraft hilfreich. Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass es Zeit benötigt, um selbständig auf die Lösung einer Aufgabe zu kommen und dass es lieber gezielte Fragen für den nächsten Unterricht formulieren und aufschreiben soll, was es warum nicht verstanden hat und was seiner Meinung nach herauskommen müsste. So ist dokumentiert, dass es sich um die Erledigung der Hausaufgaben bemüht hat und die Lehrkraft kann darüber hinaus ersehen, an welcher Stelle sie weitere Erklärungen einfügen muss.

     

  9. Die Zeitspanne für die Erledigung der Hausaufgaben sollte klar definiert sein und gemeinsam mit dem Kind unter Beachtung der individuellen Leistungskurve gesucht werden. Dann sollte sie möglichst beibehalten werden.

Da es verschiedene Arten von Hausaufgaben gibt, die jeweils auch ihren eigenen Zweck erfüllen, können die Hilfsangebote der Eltern in Abhängigkeit von der Aufgabe sehr unterschiedlich sein:

Arten von Hausaufgaben Zweck Sinnvolle Hilfsangebote der Eltern
1. Übungsaufgaben zu einem Stoffgebiet, das in der Schule behandelt wurde, lösen
  • Vertiefung
  • Eigenes Arbeitstempo finden
  • Erkennen, wo eventuell etwas wiederholt werden muss
  • für Ruhe im Arbeitszimmer des Kindes sorgen
  • für sinnvolle Pausen sorgen
  • falls das Kind zu viel Zeit für die Hausaufgaben benötigt, kann gemeinsam mit dem Kind überlegt werden, ob es sich zu häufig ablenken lässt (träumen, spielen, ..)
2. Wiederholung von schulischem Lernstoff (Vokabeln, Regeln, Hefteinträge wiederholen .....)
  • Nach den Ergebnissen der Lerntheorie müssen Inhalte mehrfach wiederholt werden. Dies kann nur teilweise im Rahmen des Unterrichts geschehen.
  • Eigenes Lern- und Arbeitstempo pflegen bzw. erhöhen
  • Eigene Lerntechniken entwickeln
  • Abhören
  • Über eigene Arbeits-, Lernerfahrungen berichten, ohne die Kinder dabei zu dominieren
  • Gespräche über den Lernstoff führen, mit eigener Erfahrungswelt verknüpfen, nachfragen
3. Erarbeiten von Inhalten/Recherchen ( mit Hilfe des Schulbuches, anderen Büchern, Internet, Befragen von Experten...)
  • Förderung der Selbständigkeit
  • Suchtipps
  • Interesse an Ergebnissen zeigen
4. Kreative Aufgaben
  • Förderung des Selbstbewusstseins
  • Erfahrungen mit den eigenen Leistungsgrenzen und deren Ausschöpfung
  • Förderung der Kreativität
  • Anspornen, dass sich das Kind nicht mit vordergründigen Lösungen zufrieden gibt.
  • Loben von gelungenen Teilergebnissen, um zum Durchhalten zu motivieren.