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Das Fichte hilft e.V.

Die schöne Tradition der Benefizkonzerte fortführend fand am 2.02.2017 um 19.30 Uhr das diesjährige Benefizkonzert statt. Damit „Fichte hilft e.V.“ auch wirklich helfen kann!

Aber was noch viel wichtiger ist: So wie wir gemeinsam und für uns und für andere musizieren, so tun es die Menschen von der Band "Poesía Samba Soul" aus der Favela da Paz auch: Von Jugend an, mit Herz und Freude. Dann kann der Funke zu den Zuhörern überspringen und Begeisterung wecken. Gepaart mit Bewunderung für das Können. In Offenheit, sich berühren und mitreißen zu lassen. 

Für das Publikum der Favelas bedeutet die Musik sehr, sehr viel: Sie macht sie stabiler in ihrer bedrohlichen Welt, gibt Ihnen Halt und Orientierung - so wie es uns vermutlich auch innere Orientierung gibt, auch wenn unsere Welt nicht so offensichtlich bedrohlich ist. Aber auch wir müssen Auseinandersetzung mit Herausforderungen jeglicher Art bewältigen; und so kann Musik auch für uns eine Brücke in eine bessere Welt sein, in eine Welt der Träume, der Hoffnungen, des Losgelöstseins, des Glücklichseins. Also letztlich genauso wie in Brasilien und anderswo auf der ganzen Welt. 

Und die gab sich ein Stelldichein am Fichte-Gymnasium, denn es erklangen Tondichtungen aus allen Epochen und aus verschiedenen Ländern.

In der stimmungsvoll dekorierten und von der Technik-AG perfekt beleuchteten Mensa moderierte Frau Riehle auf sehr kurzweilige Weise durch das Programm, das dieses Jahr mit 2 Harfenistinnen stattfinden konnte: Felicia Kraft und Lilja Brauer brachten mehrere Stücke aus verschiedenen Jahrhunderten zauberhaft zu Gehör. Die jungen Pianistinnen Josefine Becherer mit Burgmüllers Schwalbe, Hanna Mauligalo mit dem Stück „von einem anderen Planeten“ von der Karlsruher Musikpädagogin Anne Terzibaschitsch und Alexandra Kremer mit „Dornröschen“ von Anne Terzibaschitsch spielten gekonnt am Klavier.
Gerade noch rechtzeitig vor seinem Abitur beschenkte uns Frédéric Schmidt mit dem zweiten Satz der Mondscheinsonate. Wussten Sie, dass sie zur Zeit ihrer Entstehung „Laubensonate“ hieß? Vermutlich weil sich an diesem lauschigen Plätzchen Liebespaare treffen konnten oder – im Falle Beethovens – gern getroffen hätten. Da aus der Liebesgeschichte nichts werden durfte, hat er seinen Liebeskummer aufgeschrieben… zum Glück für uns.

Nach Italien entführte uns Rouven Kiefer souverän mit einem Violinkonzert von Antonio Vivaldi, begleitet von Frau Riehle. Es folgte das hochvirtuose Allegro für 2 Violinen von Max Reger, dargeboten von Niobe Langmaack und Kallisto Tzimou. Nach diesem durchaus auch für die Zuhörer anspruchsvollen Stück ging die Reise weiter nach Russland: Mit Schostakowitschs 5 Tänzen für 2 Violinen und Klavierbegleitung von Frau Lanske.

Einen impressionistischen Ausflug nach Frankreich läutete Sopranistin Frau Klose und Frau Riehle mit zwei Liedern von Gabriel Fauré und Claude Debussy ein. Debussy hatte auch die Petite Suite komponiert, von der Frau Riehle und Frau Lanske im Anschluss 2 der 4 Stücke einfühlsam spielten.

Den krönenden Abschluss des kurzweiligen Programms bildete die sicher selten aufgeführte Fanfare für 2 Blockflöten von Bob Margolis, die Simon Finkbeiner allein spielte: die Sopranflöte links und die Altflöte rechts!

Und damit alle Beteiligten auch wussten, wohin der Erlös des Abends gehen soll, präsentierte Frau Fliedner-Mora das Projekt mit 20 ausdrucksstarken Fotos: Menschen wie du und ich, die versuchen, ihr Leben lebenswert zu gestalten und ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Es gibt die Band "Poesía Samba Soul", die vor vielen Jahren auf Blechdosen begann. Inzwischen tritt sie allenthalben in São Paulo auf und – besonders wichtig für die Bewohner der Favela – bietet Unterricht und Kurse an. Sogar ein Tonstudio konnte eingerichtet werden, das ganz besonders wichtig ist, wenn man über das eigene Viertel bekannt werden will. Es wird intensiv auch von anderen Musikgruppen genutzt und geschätzt.
Volontäre geben immer wieder Sprachkurse, wobei Englisch besonders beliebt ist. Und die Schul- und Schreibmaterialien, die wir im letzten Frühjahr am Fichte gesammelt haben, sind mit Frau Fliedner in die Favela gereist und haben die Möglichkeit eröffnet, zu basteln, zu malen und sogar einige der entstandenen Papierarbeiten zu verkaufen – die Kinder hatten vor allem großen Spaß daran, mit Farben, Scheren, Papier und Pinsel zu arbeiten.
Für die Verbesserung der hygienischen Situation gibt es Maßnahmen zur Wasseraufbereitung und zum vertikalen „Urban gardening“: Kräuter und kleinere Pflanzen können auch senkrecht angebaut werden, eine Tröpfchenbewässerungsanlage garantiert, dass das kostbare Nass bis zum letzten Milliliter bei den Pflanzen ankommt. 
Mit dem Thema „Gesunde Ernährung“ befasst sich eine Frauengruppe, die inzwischen für Feste auch außerhalb der Favela gebucht wird.
Etwas außerhalb gibt es ein kleines Grundstück an einem See, wo die Familien auch mal eine Auszeit nehmen können und so etwas wie Urlaub erleben können. Und bald soll in der Favela ein Begegnungs- und Kulturzentrum gebaut werden, damit all die Aktivitäten ein Dach über dem Kopf bekommen.

In der Kürze der Zeit konnte Frau Fliedner-Mora natürlich nur einen kurzen Überblick über die vielfältigen und lebendigen und spannenden Aktionen geben. Klar wurde dennoch: Hier sind viele idealistische und engagierte Menschen am Werk, die es sich zu unterstützen lohnt!

Und das Allerbeste: Vermutlich wird einer der Musiker noch in diesem Jahr nach Deutschland kommen, um am Kursen zur Nachhaltigkeit teilzunehmen. Und dann bestünde eventuell die Chance, dass er uns am Fichte besucht und vielleicht sogar einen Workshop anbietet! Das wäre natürlich grandios: Gemeinsam musizieren, den Erlös vom Benefizabend persönlich übergeben, die gesammelten Schulmaterialien überreichen und vor allem: Sich begegnen.

Großer Dank gebührt allen, die diesen Abend und die Sammelaktion ermöglicht und unterstützt haben: Der Technik-AG, dem Aufnahmeteam Ismael Biber mit Papa, den Fotografinnen Anna Riegel und Katharina Gkogikdes. Und den Musikkolleginnen des Fichte-Gymnasiums, Herrn Rieber und Frau Lanske von „Fichte hilft“, Frau Fliedner-Mora und dem spendablen Publikum: Es sind ziemlich genau 450 Euro zusammengekommen!!! Vor allem danken wir den Musikerinnen und Musikern für die unvergesslichen Stunden.

Uta Lanske & Roswitha Riehle