• französisch-bilingual • 
  • MINT-freundlich • 
  • sozial engagiert

Das Sozialcurriculum am Fichte-Gymnasium

Die ganzheitliche Bildung unserer Schülerinnen und Schüler liegt uns am Herzen und daher ist es für uns selbstverständlich, dass neben der Vermittlung von Faktenwissen unsere Schülerinnen und Schüler auch das Rüstzeug bekommen, um ihre Lebenskompetenz auszubauen. Lebenskompetenzen "...sind diejenigen Fähigkeiten, die einen angemessenen Umgang sowohl mit unseren Mitmenschen als auch mit Problemen und Stresssituationen im alltäglichen Leben ermöglichen. Solche Fähigkeiten sind bedeutsam für die Stärkung der psychosozialen Kompetenz." (World Health Organization (Hrsg., 1994). Life SkillsEducation in schools. WHO, Genf)

Die WHO definierte zehn zentrale Kernkompetenzen ("core life-skills"), die es im Rahmen der Lebenskompetenzförderung zu vermitteln gilt:

  1. Selbstwahrnehmung, die sich auf das Erkennen der eigenen Person, des eigenen Charakters sowie auf eigene Stärken und Schwächen, Wünsche und Abneigungen bezieht.
  2. Empathie als die Fähigkeit, sich in andere Personen hineinzuversetzen.
  3. Kreatives Denken, das es ermöglicht, adäquate Entscheidungen zu treffen sowie Probleme konstruktiv zu lösen.
  4. Kritisches Denken als die Fertigkeit, Informationen und Erfahrungen objektiv zu analysieren.
  5. Entscheidungen zu treffen als die Fähigkeit, die dazu beiträgt, konstruktiv mit Entscheidungen im Alltag umzugehen.
  6. Problemlösefertigkeit, um Schwierigkeiten und Konflikte im Alltag konstruktiv anzugehen.
  7. Kommunikative Kompetenz, die dazu beiträgt, sich kultur- und situationsgemäß sowohl verbal als auch nonverbal auszudrücken.
  8. Interpersonale Beziehungsfertigkeiten, die dazu befähigen, Freundschaften zu schließen und aufrechtzuerhalten.
  9. Gefühlsbewältigung als die Fertigkeit, sich der eigenen Gefühle und der Gefühle anderer bewusst zu werden, angemessen mit Gefühlen umzugehen sowie zu erkennen, wie Gefühle Verhalten beeinflussen.
  10. Die Fähigkeit der Stressbewältigung, um einerseits Ursachen und Auswirkungen von Stress im Alltag zu erkennen und andererseits stressreduzierende Verhaltensweisen zu erlernen.

Quelle: http://www.kontaktbuero-praevention-bw.de/,Lde/Startseite/stark_staerker_WIR_/Lebenskompetenz

Ziel unseres Sozialcurriculums ist, dass sich die Kinder und Jugendlichen zu eigenverantwortlichen, starken Persönlichkeiten entwickeln. Wir sind davon überzeugt, dass nur starke Persönlichkeiten, die das nötige Bewusstsein für sich selbst haben (Selbstbewusstsein), dazu in der Lage sind, auch für andere ein Bewusstsein zu entwickeln. Rücksichtnahme, Empathie, Eintreten für die Gemeinschaft und das Zurückstecken von Eigeninteressen, um das höher zu wertende Interesse der Gruppe nicht zu gefährden - all das kann erst entstehen, wenn man in sich selbst ruht und sich und anderen nicht mehr ständig beweisen muss, das man der Tollste, Wichtigste oder die Stärkste ist. 

Daher ist unser Sozialcurriculum selbstverständlich die Basis unserer Präventionsarbeit. Suchtprävention z.B. bedeutet für uns, dass wir einerseits das Selbstbewusstsein stärken, also z.B. die Einübung des Widerstands gegen Gruppendruck und das Neinsagen in Risikosituationen. Es ist uns aber auch wichtig, dass wir die positive Rolle der Gruppe betonen. Die Schule als Schutzraum, die die Möglichkeit gibt sich zu offenbaren, Hilfe und Unterstützung zu suchen. Die Erfahrung, dass sich Probleme gemeinsam leichter bewältigen lassen, als alleine - auch das ist Teil unseres Sozialcurriculums. Diese Schutzraumfunktion ist gleichzeitig wesentlicher Teil unserer Gewaltprävention. Im Klassenrat wird die Fähigkeit eingeübt , Konflikte zu benennen und gemeinschaftlich zu lösen, selbstverständlich ohne den Einsatz verbaler oder gar körperlicher Gewalt. Dabei ist die oberste Maxime, dass Gewalt am Fichte keinen Platz hat. Wir treten alle gemeinsam dafür ein, dass das Fichte-Gymnasium ein sicherer Ort ist, an dem jeder ohne Angst leben und lernen kann.

Ganz praktisch bedeutet das für uns, dass wir in den Klassenstufen fünf bis acht die Schülerinnen und Schüler durch Klassenlehrerstunden dabei unterstützen, ihre Lebenskompetenzen auszubauen. In diesen Stunden bleibt Zeit für Gespräche, zur Klärung von Konflikten, Zeit für das Planen gemeinschaftlicher Aktionen. Weitere Bausteine unseres Sozialcurriculums aus den Bereichen Suchtprävention, Gewaltprävention und Gesundheitserziehung finden Sie im Folgenden pro Klassenstufe beschrieben. Sie können sich auch in der tabellarischen Kurzform einen Überblick verschaffen.

Klasse 5: "Das Wir gewinnt"
Dieses Jahr steht das Ankommen im Vordergrund. Das Fichte als "Heimat" und die Klasse als Gemeinschaft begreifen. Teil dieser Gemeinschaft werden, ein "Wir-Gefühl" entwickeln. Auftakt sind die drei Kennenlerntage an denen auch die Paten aus der Klassenstufe 9 mitwirken. Der Klassenrat wird eingeführt. Weiterhin findet in Klasse 5 die Verkehrserziehung statt, um das Bewusstsein für die Gefahren im Straßenverkehr zu stärken und die Eigenverantwortlichkeit bei der Gefahrvermeidung.

Klasse 6: "Korrekt vernetzt - vernetzt und korrekt?"
Jetzt kommen Handys und soziale Netzwerke als Erweiterung des Klassenzimmers in den Blick. Zur Vorbeugung von (Cyber-)Mobbing wird der verantwortliche Umgang mit den technischen Geräten und das korrekte Verhalten in den Netzwerken thematisiert - auch auf einem Elternabend. Mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Zugängen nähern wir uns den Themen: gewaltfreie Sprache auch im Netz, Umgang mit den Persönlichkeitsrechten und Mobbing. In Workshops, beim Besuch von Theaterstücken und auch im ITG-Unterricht werden die Probleme und Chancen der digitalen Kommunikation greifbar.
Bei der Verkehrserziehung stehen in diesem Jahr die Radfahrer und der Selbstschutz durch das Tragen eines Fahrradhelms im Mittelpunkt.

Klasse 7: "Ich und mein Körper"
Passend zur körperlichen Veränderung während der Pubertät, steht der bewusste Umgang mit dem eigenen Körper im Mittelpunkt. Schwerpunkt sind in diesem Jahr die gesunde Ernährung aber auch Verhaltenssüchte wie z.B. Magersucht und Handysucht. Das Programm "Bauchgefühl" stärkt die Lebenskompetenz durch Bewusstmachung von Einflüssen aus Werbung und Medien, durch das Aufzeigen unnatürlicher Vorbilder und stärkt die kritische Auseinandersetzung mit den Unterschieden in der Selbst- und Fremdwahrnehmung. (http://www.bkk-bauchgefuehl.de/schule/fuer-schulen/unterrichtsprogramm-bw)

Klasse 8: "Ich und mein Körper
Der Schwerpunkt aus Klasse 7 wird fortgesetzt, jetzt aber mit stärkerem Fokus auf dem Gemeinschaftsgefühl, da die Klassen nach der Profilwahl neu zusammengesetzt wurden. Drei Klassenfindungstage vor den Herbstferien stärken die Gruppe ebenso wie das Wiederaufgreifen der Klassenratssitzungen. Durch den Besuch der Drogenberatungsstelle und eine Unterrichtseinheit im Rahmen des GK-Unterrichts „Familie und Gesellschaft“, bei der Kontakte zu Behinderten geknüpft werden, erleben die Schülerinnen und Schüler wie wichtig Unterstützungssystem sind und dass es kein Zeichen von Schwäche ist, sie zu nutzen. Auch wird ihnen bewusst, wie bereichernd Unterschiedlichkeit und Andersartigkeit sein kein.

Klasse 9: "Ich bin stark - auch für andere!"
Zunehmend rückt der Einsatz für andere in den Mittelpunkt, daher findet in Klasse 8 das dreitägige Sozialpraktikum statt. Während des Praktikums in einer sozialen Einrichtung sollen die Schülerinnen und Schüler erleben, wie wichtig es für die Gesellschaft als Ganzes ist, dass es Menschen gibt, die soziale Berufe ergreifen. Sei es in der Kranken- und Altenpflege, im Kindergarten oder bei der Betreuung von Behinderten - die Schülerinnen und Schüler erleben auch, dass sie selbst helfen können. Ein Buch vorlesen, einen Spaziergang begleiten, Schuhe zubinden oder füttern - es sind die kleinen Dinge, die für den einzelnen Menschen den Unterschied zwischen einem guten Tag und einem weniger guten Tag ausmachen. Teil des Praktikums ist auch die anschließenden Präsentation vor einer achten Klassen - hier übernehmen die Neuntklässler Verantwortung für die Vorbereitung der nachfolgenden Klasse auf deren Sozialpraktikum. Sie geben Tipps und Ratschläge weiter, wie das Praktikum zu einer möglichst gewinnbringenden Erfahrung werden kann. Ebenfalls machen sich die Neuntklässler als Paten für die Fünftklässler stark.
Außerdem wir das Programm Bauchgefühl mit weiteren Modulen vertieft.
Ein Vortrag der Polizei zu den strafrechtlichen Folgen des Drogenmissbrauchs findet entweder in Klasse 9 oder 10 statt.

Klasse 10: "Ich bin stark - auch für andere!"
Das Motto bleibt bestehen, diesmal steht dabei die Persönlichkeitsentwicklung im Vordergrund. Die Übernahme von Verantwortung für das eigene Handeln und die eigene Meinung, das Eintreten für andere, die schwächer sind, wird durch das Projekt "Inbetween" in den Mittelpunkt gestellt. (http://www.drogenbeauftragte.de/presse/projekte-und-schirmherrschaften/projekte-des-monats/2017/022017-inbetween.html)
Auch hier gehen (ähnlich wie bei "Bauchgefühl") Suchtprävention, Gewaltprävention und Gesundheitserziehung Hand in Hand und tragen zur Persönlichkeits- und Lebenskompetenzentwicklung bei. In Klasse 10 spielt außerdem die Berufs- und Studienorientierung am Gymnasium eine große Rolle und das ein- bis zweiwöchige BOGy-Praktikum wirkt sich auch auf die Lebenskompetenz der Schülerinnen und Schüler aus.